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Pipi ja, Poohpooh nein


Was hat dieses Foto mit dem Thema Umzug zu tun? Weil sich meine Zeit im Yongkang Hutong dem Ende zuneigt, habe ich die letzte halbe Woche damit verbracht, eine neue Bleibe zu finden. Eine gute Quelle für WGs und Untermieter ist der Beijinger, eine von vielen guten kostenlosen Stadtzeitschriften in Peking.

Was ich jedoch schnell herausfinden musste: Viele WGs werden von Agenten zusammengestellt. Eine Adresse bekommt man bei Interesse nicht, sondern trifft sich zu einer festgelegten Zeit an einer U-Bahnstation, wo dann der Agent oder ein englisch sprechender Kollege/Freund meist eine halbe Stunde nach Termin auftaucht. So wurde ich schon unversehens zum Sozius eines hustenden Männleins auf einem E-Bike – ein schönes Erlebnis in einer Pekinger Nacht, das E-Bike macht ja keinerlei Geräusche, ist aber so schnell wie ein gutes Mofa (man nennt sie wegen der dadurch entstehenden Unfallgefahr auch “den stillen Tod”).

Durch die vielen Shortterm-Mieter aus dem Ausland wechselt die Besatzung oft. Dementsprechend sah es in vielen der überteuerten WGs aus: chaotisch, unpersönlich, teilweise sehr schmuddelig. So erschien es mir wie eine glückliche Fügung, als ich ein neu renoviertes Häuschen im Hutong entdeckte, mit Balkon zum schattigen Innenhof und Blick über alte Dächer, zweistöckig, neu eingerichtet, alleine zu bewohnen, bezahlbar, alles tipptopp. Auch den Agenten traf ich schon zum zweiten Mal, wir verstanden uns gut, er wollte mir sogar mit den hier üblichen Ein-Jahres-Verträgen helfen. Allein – es gäbe da ein Problem, meinte er. Die Englischkenntnisse versagten, wir riefen den englischsprechenden Freund an – auch dem fehlte das Fachvokabular. Kurze Zeit später dann die SMS:

Wir haben alle sehr gelacht. Das Problem in den Hutongs – und deswegen braucht man sie trotz ihres idyllischen Aussehens nicht zu romantisieren – sind neben der mangelnden Isolierung im Winter die alten Abwasserleitungen. Private Toiletten gab es früher in den Häusern gar nicht; viele Nachbarn teilen sich notgedrungen eine der vielen öffentlichen Toiletten, die man an jeder Ecke findet. Jetzt, wo viele Hutongs zu Bar- und Geschäftsstraßen umgebaut sind, findet man selbst in guten Restaurants auf den Toiletten Körbe für Klopapier; die Toiletten verstopfen sonst sehr schnell. So extrem wie in dieser kleinen Traumwohnung jedoch habe ich es bisher nicht erlebt. Schade, das wäre ansonsten eine Wohnung ganz nach meinem Geschmack gewesen. Ein Nebeneffekt ist vielleicht, dass ich den Agenten und seinen englischsprachigen Freund kennengelernt habe. Wir wollen demnächst mal Abendessen gehen.


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