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Dorfleben


Rückblick und Teil 3 meiner Reiseerfahrungen.Nach dem Zhouzhuang-Ausflug besuchten wir mit Boon Tongs ehemaliger Arbeitskollegin und ihrer 8jährigen Tochter ein Dorf am Rand eines Sees, der trotz seiner Größe unerklärlicherweise keinen Namen hat. Das Dorf wirkte äußerst ordentlich und sauber, hier und da bekam man kleine Einblicke in die Häuser und Vorhöfe, sah alte Männer Wasser aus dem Brunnen in ihrem Innenhof schöpfen, Frauen Gänseküken füttern oder ihren kleinen Gemüsegarten bestellen. Von dem geräumigen und fast leer stehenden zweistöckigen Beton-Haus des Opas aus waren es nur 20 Meter bis zum See, auf dem Fischer ihre Reusen nach Shrimpsfängen untersuchten.

Lehmziegelproduktion wie vor 100 Jahren

Wir gingen am grasbewachsenen Ufer entlang und stießen auf merkwürdige, negerkussartig geformte Ziegelbauten mit Schornsteinen. Alte Ziegelbrennereien, in denen die traditionellen schwarzgrauen Lehmsteine und Dachziegel für die Hutongs und andere Bauten hergestellt wurden. Die meisten dieser Öfen, die seit über 100 Jahren in dem Dorf in Betrieb waren, sind inzwischen stillgelegt, verfallen und überwuchern und werden den Ziegen überlassen, die zwischen ihnen grasen. Viele wurden wegen der Luftverschmutzung geschlossen. Aus einem Hügel stieg aber noch Rauch auf.

Wir wurden hineingeleitet und ich registrierte überrascht, dass dort im dunklen Inneren über 20 alte Frauen und Männer mit zum Teil schwarzverschmierten Gesichtern saßen und gerade eine Pause machten, alle hatten Teebecher in der Hand und waren schwer überrascht von der Westlerin mit ihren neon-orangenen Schuhen und der Kamera. Fotografieren lassen wollten sie sich nicht.

In dem Ofen werden die fertigen Lehm-Ziegel gestapelt, dann davor ein Feuer aus Holzspänen abgebrannt. So rösten sie dann 7-8 Tage. Zwischen Haufen von Sägespänen und Rohziegeln führte hinten eine Tür zu einem Anleger, dort saßen ein paar andere Leute und aßen und tranken Tee. Mit einem Boot werden die fertigen Ziegel dann direkt über den See weggeschippert.

Ein besseres Leben?

Es ist sicher eine sehr harte Arbeit und die Leute hatten von der Hitze gegerbte, runzelige Gesichter. Aber die Atmosphäre war fröhlich, gemeinschaftlich und irgendwie unabhängig. Die machten da ihr Ding, das Dorf war schön – sicher ein besseres Leben als allein in irgendeinem Hochhaus rumzusitzen. Die jungen Leute sind natürlich alle lange weg, in die Stadt gezogen.

Am Rand der alten Ziegeleien hat die lokale Regierung eine neue Holzterasse zum Wasser hingebaut, Bäume gepflanzt und Blumenbeete angelegt. Sie überlegen, die Ziegeleien als Tourismusattraktion zu vermarkten und sich mit ihnen für den Status des Weltkulturerbes zu bewerben. Ob so eine Bewerbung Aussicht auf Erfolg hat, vermag ich nicht zu sagen. Beeindruckend war es alle mal – und die Ziegel und Dachpfannen werden bei der Renovierung viele historischer Gebäude verbaut. In den Pekinger Hutongs sind sie überall zu sehen.


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