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China – der Rückblick in Stichworten


Zurück in Deutschland – hinter mir liegt meine Reise durch Yunnan, von Kungming, Dali und Lijiang über das Dorf Shaxi und die Tigersprungschlucht bis hoch zur tibetischen Grenze in Shangri-La, ehemals Zhongdian; spannende Tage in der 15 Millionen-Stadt Shenzhen, wo ich zu Shanzhai (Fake) in der Mobiltelefonindustrie und dem Wandel der Stadt vom Fabrikband der Welt hin zu einem High-Tech-Standort recherchiert habe. Letzte warme Tage in Hong Kong und der ewig lange Rückflug gegen den Jetstream über die öden Wüsten von Westchina und Russland. Zusammenfassen lassen sich meine insgesamt 15 Wochen China nur schwer – ich habe es stichwortartig versucht.

Ich war in den fünf Provinzen Peking, Henan, Jiangsu, Guangxi, Yunnan, der Sonderverwaltungszone Hong Kong und der Special Economic Zone Shenzhen – genauer, in den Städten Peking, Shanghai, Hong Kong, Nanxia, Zhengzhou, Kaifeng, Zhouzhuang, Suzhou, Shenzhen, Lijiang, Dali, Kunming, Jiangchuan, Shangri-La, Jixi, Shaxi, Guilin, Yangshuo und Qiaotou. Meine größte Stadt hatte 19 Millionen Einwohner, das kleinste Dorf vielleicht 200.

Vom niedrigsten Punkt auf Meeresspiegelhöhe in Hong Kong bis zum höchsten Punkt im Pudacuo Nationalpark waren es über 4100 Meter, von Shanghai an der Ostküste bis nach Shangri-La kurz vor der tibetischen Grenze liegen etwa 2800 km Luftlinie. Von Peking bis nach Hong Kong an der Südküste sind es 1967 km. Dazwischen bin ich in Flugzeugen, Autos, Taxis, Minibussen, Schlafbussen, Schlafzügen, im Kajak und auf dem Bambusfloss, auf Fahrrädern, Elektrobikes und Motorrollern unterwegs gewesen.

Ich habe Tempel für Konfuzius, den chinesischen Buddha, den Schutzgott der Bai-Fischer von Dali, für tibetische Lamas, im Dorf und als Riesenanlage gesehen; historische Magistrat- und Königssitze und blinkende Medienkunst besichtigt. Ich war in Fabriken für Filmplatten, Autoteile, Fake-Handies, TCM-Produkte, Dali-Stone, Steinlöwen und Lehmziegel; in Museen für Dinosauriereier, chinesische Kunst sowie einem Song-Dynastie-Themenpark und auf schicken Ausstellungseröffnungen. Der skurillste Typ war ein Mann, der im Park zum umgeschnallten Rekorder übers Mikrophon gepfiffen hat. Die schwerste körperliche Arbeit haben die Sänftenträger in der Tigersprung-Schlucht verrichtet.

Privat Zeit verbracht habe ich mit mindestens 70 Menschen, darunter ein vierjähriger Halbchinese mit Spitznamen Bungsi, drei entfernte Verwandte – mein Cousin Bun Tong und die Cousinen Roloff meines Vaters; alte Bekannte aus Hong Kong, die nach Peking gezogen sind oder aus Hamburg nach Hong Kong; deutsche, englische und chinesische Journalisten; Kreative wie Filmemacher, Kuratorinnen oder die chinesische Autorin des ersten Couchsurfing-Buchs aus Europa; deutsche und amerikanische Angestellte von Volkswagen, Microsoft und Google; Coworking- und Hackerspace-Betreiber, ein Ethnobotanist, ein Glaziologe und einige aus dem Green-Energy-Sektor; Auslandschinesen aus Dänemark, Kanada und den USA; Angestellte von GIZ und EU, Unternehmensgründer und Lehrerinnen, Think-Tank-Schreiber aus dem Bereich Satelliten oder Tabakkontrolle. Mit sechs dieser Menschen habe ich Hotel-Zimmer, mit vier Menschen ihre Wohnungen geteilt.

Interviews und berufliche Gespräche habe ich zum Thema Wanderarbeiter, Impotenz, Hong Kongs Verhältnis zu China, Shenzhen, Innovation und Kreativität in China, Shanzhai, Journalismus und Internet und Weibos sowie zu traditioneller chinesischer Kultur und Tourismus geführt.

Die beste Party war mit Barbesitzer Duzi und seinem Freund Nono in seiner leeren Bar in Shangri-La. Den tiefsten Misthaufen und die größte Stille gab es in Shaxi. Den meisten Schnaps in Henan. Die schönste Landschaft im Tiger Leaping Gorge und auf dem Yulong-Fluss zwischen den Karstbergen von Yangshuo. Die interessantesten Gespräche in Peking. Das Beste Essen in Pekings Yunnan-Restaurants; das schlechteste Essen in Yunnan. Den schlimmsten Unfall auf dem Airportexpress-Zubringer vor meinem Fenster. Baustellen für neue Highways, neue Bahnhöfe, neue Häuser: Überall.

Angesichts dieses Potpourris an Eindrücken möchte ich auf ein Fazit verzichten und statt dessen eine Empfehlung aussprechen: Wer mal wieder richtig fluchen, lachen oder weinen will, etwas zum Haareraufen und Kopfrauchen sucht, seine Schmerzgrenzen erweitern möchte, ständig Hunger hat und stündlich von etwas überrascht werden will, dem sei geraten, nach China zu fahren.

再见, 中國!


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